Das Museum der Stadt Bottrop hat eine ungewöhnliche Geschichte, geschrieben von einem ungewöhnlichen Menschen: von Arno Heinrich.
Heute ist das Museum Quadrat in Bottrop dem bedeutenden Künstlerehepaar Anni und Josef Albers gewidmet, entstanden ist es jedoch aus einer 1934 begonnenen heimatkundlichen Sammlung.
Der Bergmann Arno Heinrich kam nach dem 2. Weltkrieg nach Bottrop, er bildete sich autodidaktisch zum Fossilienkenner weiter und wurde 1957 zum amtlichen „Pfleger für kulturgeschichtliche Altertümer für den Stadtkreis Bottrop“ bestellt. 1958 fand er bei Gladbeck das einzige fast vollständige Skelett eines Waldwisents in Europa. 1961 bezogen dieser Sensationsfund und die bedeutenden weiteren Sammlungen Heinrichs das neu gegründete Heimatmuseum in der denkmalgeschützten ehemaligen Villa des ersten Bottroper Amtsgerichtsleiters.
Diese Villa von 1903 war zugleich das Zuhause der Familie Heinrich, der Eltern und ihrer zwei Kinder. Arno Heinrich schrieb als Autodidakt nicht nur weltweit beachtete Fachliteratur, sondern grub bei der Ausbaggerung des Rhein-Herne-Kanals die Artefakte von 72 Mammuts und von 102 Woolhaarnashörnern, von Höhlenbären, Wisenten, Riesenhirschen und vielen anderen Tieren aus.
Sein Sohn, Andreas Heinrich (er lebt heute in Dinslaken), führte uns durch die Eiszeithalle und erklärte anschaulich sowie mit viel Begeisterung die Entstehung und die Bedeutung dieses Teils des Museums. Er berichtete insbesondere von einer abenteuerlichen Exkursion: 1992 durfte er mit seinem Vater Arno zu Forschungen nach Sibirien zu einem Quartärgeologenkongress reisen – zu der Zeit und in der damaligen politischen Situation etwas absolut Ungewöhnliches.
Besonders aufmerksam machte er die Gruppe darüber hinaus auf einen kleinen, aber sensationellen Fund: die Larven von eiszeitlichen Fliegen. Die ganze Familie Heinrich war daran gewöhnt mitzuhelfen. Als Sohn Andreas bei der Reinigung eines Mammutschädels kleine, ihm unbekannte Teilchen entgegenfielen, war mit Hilfe einer Untersuchung im Landesmuseum Münster schnell klar, dass dieser Fund eine Sensation war.
Durch die profunden Kenntnisse und die persönlich geprägten Berichte war dieser Museumsbesuch außergewöhnlich und alle Teilnehmer bedankten sich herzlich für die Führung, nachdem Andreas Heinrich noch zahlreiche Fragen beantwortet hatte.

