Das ehemalige Rathaus von Voerde, heute Teil des Seniorenheims der Arbeiterwohlfahrt, war von 1914 bis 1983 Sitz der Verwaltung der Bürgermeisterei (ab 1922 Gemeinde) Voerde. Auf die Entstehungszeit des Gebäudes verweist seine neoklassizistische Architektur mitsamt ornamentaler Gestaltungselemente, wie im Bereich des von dorischen Säulen flankierten Portals zu erkennen ist. Über dem Eingang dominiert ein Spitzgiebel mit dem stilisierten Reichsadler, während links und rechts davon zwei Steinreliefs Szenen des Abschieds und der Heimkehr von Soldaten des kaiserlichen Heeres im Ersten Weltkrieg wiedergeben. Neben der Gemeindeverwaltung waren im Rathaus zunächst auch die Post, die Polizei und eine Arrestzelle (im Keller) untergebracht.


Da sich außer dem Rathaus bereits entlang der Frankfurter Straße eine beträchtliche Ansammlung von Geschäften sowie Dienstleistern befand, lag es durchaus auf der Hand, wegen der nur sehr spärlichen Siedlungsentwicklung im sonstigen damaligen Gemeindegebiet in der Nähe des Bahnhofs (Löhnen) das künftige Zentrum der Gemeinde zu entwickeln.
Im Rahmen des Ruhraufstandes (Märzunruhen 1920) kam es am 23. März 1920 zur Besetzung der Bürgermeisterei Voerde durch die Rote Ruhr Armee, die auf dem Rathaus einen Gefechtsstand einrichtete, der durch Maschinengewehre gesichert wurde. Die örtliche Polizei musste sämtliche Waffen abtreten, konnte ihren Dienst aber in Zivil weiterversehen.
Bei der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Voerder Gemeinderats am 30. März 1933 erschien die Mehrheitsfraktion der NSDAP in Begleitung des örtlichen SA-Sturmes im Sitzungssaal des Rathauses, um ihre Machtübernahme auch auf lokaler Ebene martialisch zu demonstrieren. Schon hatten in den Räumen des Rathauses die ersten Verhöre von Oppositionellen, vor allem von Sozialdemokraten und Kommunisten, durch die Polizei und SS-Angehörige stattgefunden.


Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges war das Voerder Rathaus nicht nur Schauplatz teilweise heftiger Auseinandersetzungen um die Errichtung des Kohlekraftwerks Voerde-West („STEAG“) im Jahr 1966, sondern auch der entschieden vorgetragenen Abwehr der drohenden Auflösung der Gemeinde Voerde im Rahmen der kommunalen Neuordnung in NRW 1975.

Die Amtsstube in der Lindenwirtskate

Die Lindenwirtskate diente von 1810 bis 1914 (bis auf eine kurze Unterbrechung) als Verwaltungsgebäude, Bürgermeisteramt und -wohnung. Das Gebäude wurde 1696 erstmals urkundlich – unter anderem als Gastwirtschaft – erwähnt und beherbergte nach dem Zweiten Weltkrieg die Voerder Polizeistation und später, in den frühen 1990er Jahren, eine Flüchtlingsunterkunft.
Das Gebäude zwischen dem ehemaligen Rathaus und der Lindenwirtskate wurde 1914 als Bürgermeisterwohnung erbaut. Das ehemalige Rathaus wurde gemeinsam mit dem ehemaligen Bürgermeisterhaus am 9.12.1983 in die Denkmalliste der Stadt aufgenommen. Die Lindenwirtskate folgte am 13.04.1984.