Die Baracken des „Lagers“ (bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Militärlager) Friedrichsfeld  wurden infolge der Bestimmungen des Versailler Vertrages 1919 zu Notwohnungen für Flüchtlinge bzw. Aussiedler, die aus Westpreußen und Posen (hier v.a. Kreis Bromberg) stammten, umgebaut. Insgesamt kamen etwa 200 Familien mit etwa 1000 Personen nach Friedrichsfeld.

Foto von 1927 mit Kindern im Barackenlager auf dem Platz vor dem Kasino

In welchem Jahr der Weimarer Republik dort das „Karl Liebknecht Haus“ der KPD und der ihr nahestehenden Organisationen (u.a. Revolutionäre Gewerkschaftsopposition, Rote Hilfe Deutschlands, Kommunistischer Jugendverband, Kampfbund gegen den Faschismus) eingerichtet wurde, ist nicht bekannt. Das Parteihaus wurde nach Karl Liebknecht, einem der beiden Gründer der KPD benannt.
Das „Lager“ Friedrichsfeld entwickelte sich im Laufe der Jahre der Weimarer Republik zu einer Hochburg der KPD in der Gemeinde Voerde, der dort – nach einem Bericht der Landeskriminalpolizei Düsseldorf – in den Jahren 1931 und 1932 ca. 100 Personen angehörten. Hierzu hat Michael Dahlmanns einen Aufsatz verfasst, der in dem Buch „Alles eine Lüge“ veröffentlicht wurde.
Der Leiter der Ortsgruppe Max Marohn war über die Grenzen des Amtsbezirks bekannt und auch bei politischen Gegnern geachtet. Am Neujahrsmorgen 1933 wurde Marohn – er hatte gerade eine Silvesterfeier mit Freunden verlassen – kurz vor seiner Wohnung an der heutigen Spellener Straße erschossen. Der Schütze war ein Polizeimeister, der in Friedrichsfeld für seine rechte Gesinnung bekannt war.

Max Marohn mit Ehefrau und Kindern

Max Marohns Beerdigung wurde zu einer der größten Beerdigungen in der Voerder Geschichte. Vom Karl Liebknecht Haus bis zum Kommunalfriedhof sollen Menschen dicht an dicht am Straßenrand gestanden haben. Eine gerichtliche Untersuchung der Mordtat fand niemals statt, der Täter konnte seinen Polizeidienst ohne Beanstandung fortsetzen.
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten führte zu allererst zur Verfolgung der Kommunisten. Am 6. Februar 1933 wurden das Karl Liebknecht Haus von der Polizei durchsucht und ‚staatsgefährdende‘-Flugblätter konfisziert. In den darauffolgenden Monaten wurden mehrere Anhänger der Kommunistischen Partei festgenommen und im Voerder Gefängnis verhört. Die NSDAP beschlagnahmte das Gebäude. Spätestens im April 1933 gilt die KPD-Ortsgruppe Friedrichsfeld als aufgelöst. Einzelne Mitglieder setzten den Widerstand gegen die Nationalsozialisten in der Illegalität fort. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde das Gebäude im Zuge der Sanierungs- und Aufbaumaßnahmen des Ortsteils Friedrichsfeld abgerissen.
Am 15.06.1996, dem 77. Todestag Karl Liebknechts wurde von der Friedensgruppe Voerde (1981-2019) ein Schaukasten aufgestellt. Er gehörte zu einem alternativen Weg zu Stätten der Verfolgung und des Widerstandes in der Zeit des Nationalsozialismus.