Die STEAG AG erwarb Haus Wohnung und stellte den ehemaligen Rittersitz nach schweren Kriegszerstörungen wieder her; sie hat diesen als Gästehaus, Akademie und für Veranstaltungen in gutem baulichen Stand gehalten.

Zu den Gebäuden:
• Ehemaliger Adelssitz mit charakteristischem Gebäudebestand und Ambiente,
• seit dem 14. Jahrhundert eine 2-teilige Wasserburg

  • Vorburg und Herrenhaus (bzw. Hauptburg) lagen auf jeweils eigenen In¬seln, von wassergefüllten Gräben umgeben und durch Zugbrücken miteinander verbunden;
  • die Niveauregelung der vom Rotbach gespeisten Gräben wurde mit Hilfe einer eigenen Wassermühle gewährleistet;
  • die Wassermühle am Rotbach ist vollständig in der Substanz des 18. und 19. Jahrhunderts erhalten;
  • das Herrenhaus liegt wie seit Jahrhunderten auf einer Insel. Der Barockgarten ersetzt den ursprünglichen Küchengarten.
  • Der ursprüngliche Zugang zur Vorburg erfolgte als seitlichen Zugang von Osten, was typisch ist für mittelalterliche Anlagen.
    • Das Herrenhaus besteht aus einem rechteckigen 2 ½-geschossigen
    Wohnbau, wobei der Fußboden in etwa auf Wasserspiegelniveau liegt,
    erhöht, wie auf einem Podest gelegen.
    Ehemals gab es 2 flankierende Türme, die als Feudalsymbol für die Wehrfunktion galten.
    Der Gesamtbau wirkt eher schlicht mit seinem Backsteinmauerwerk und den Fenstergewänden aus hellem Sandstein; lediglich das Portal ist durch sein ornamental versprosstes Oberlicht und die zweiläufige Treppe als Würdezeichen hervorgehoben.
    Die Fenster sind zu gleichmäßigen Achsen geordnet.
    Die Gestaltung der Westfront entstammt der Bauphase nach den letzten Kriegszerstörungen.
    Dem Zweck und Rang der jeweiligen Stockwerke entsprach die unterschiedliche Größe der Fenster (Kellerfenster entsprechend klein, da untergeordnet).
    Eine sog. „Welsche Haube“ mit ausgeprägter „Zwiebel“ und abschließender Laterne – nach dem Vorbild flämischer Turmhauben – krönt den Turm.

Vorhof und Bogenbrücke sind von einer Brüstungsmauer aus Backsteinen eingefasst und tragen eine moderne Ziegelpflasterung.

Dem zurückhaltenden Äußeren entspricht das Innere des Herrenhauses bei weitem nicht.
Im bestehenden Teil gab es ursprünglich keine Treppe zwischen Keller- und Erdgeschoss; unter der Freitreppe ist seit dem 17. Jahrhundert ein flachbogiges Tonnengewölbe und vierjochiges Kreuzgratgewölbe zu finden.
Heute sind diese Kellerräume eingerichtet als:

  • Gesellschaftsräume
  • Küche
  • Weinkeller
  • Toiletten und Garderobe.

Das Erdgeschoss enthält die Repräsentationsräume. Nach der Renovierung 1988/89 kommen diese ihrem ursprünglichen barocken Ursprung sehr nahe.
Die schlichte Stuckdecke mit hervortretenden verputzten Ankerbalken entspricht dem Standard des späten 17. Jahrhunderts, wie er für gewisse Zeit an niederrheinischen Herrensitzen üblich war.
Die Stuckdecke des Saales ist überraschend feiner gestaltet mit Blumenrankenband und rhythmisierenden Rosetten, floralen Arrangements sowie flachgehaltenen verschlungenen Ranken.
Unter den wenigen erhaltenen Decken des Hochbarock am Niederrhein nimmt die Saaldecke des Hauses Wohnung eine Sonderstellung ein. Entstanden ist sie wahrscheinlich im letzten Lebensjahrzehnt des Bauherrn Johann Carselis von Ulft gen. Doornick (gest. 1724) als Abschluss der seinerzeitigen Erneuerungsmaßnahmen.

Im 1. Obergeschoss befinden sich 2 Räume über Halle und Saal mit geringer Deckenhöhe. 1970 wurde hier zwischen EG und OG eine Stahlbetondecke eingezogen.

Das 2. Obergeschoss ist zu Gästezimmern ausgebaut und durch Zwischenwände aufgeteilt. Den Wert der historischen Substanz erkennt man an der Deckenbalkenkonstruktion.

Der Dachraum ist von Einbauten jeglicher Art freigehalten, so dass der Dachstuhl aus Eichenholz mit gebogenen Stuhlsäulen eindrucksvoll zur Geltung kommen kann. Dieser hat alle Beschädigungen und Zerstörungen in der Vergangenheit überstanden und ist bis heute weitgehend in originalem Zustand.

Die Vorburg
Nördlich des Herrenhauses gelegene Wirtschaftsgebäude – als obligatorische Vorburg – lagen auf einer eigenen Insel und waren mit dem Haupthaus über eine Zugbrücke verbunden.
Vorburgen waren als Schutz der Hauptburg und zur Aufnahme aller Wirtschafts- und Nebenfunktionen seit dem 10. Jahrhundert Allgemeingut rheinischer Wasserburgen.

Nachdem Burgen nicht mehr als Wehrbauten dienten, hielt man an den traditionellen Vorburgen dennoch fest, da sie seit dem 14. Jahrhundert als Herrschaftszeichen unverzichtbarer Bestandteil eines jeden adeligen Sitzes waren und zum anderen nach wie vor allen wirtschaftlichen Anforderungen genügten.

Die Remise
Der einfache Remisen- und Torflügel dürfte ebenfalls auf Johann Carselis von Ulft, Anfang des 18. Jahrhunderts zurückgehen. Die ehemalige Nutzung als Stall und Remise ist im Inneren deutlich erkennbar.
Der einst nördlich anschließende Quertrakt, wohl eine große Zehntscheune, und der Osttrakt wurden im 19. Jahrhundert durch die noch bestehenden Gebäude der längs aufgeschlossenen Scheune, des 2-geschossigen Kutscherhauses und eines kleinen Stalles ersetzt.

Die Mühle
Ein wichtiges und guterhaltenes historisches Wirtschaftsgebäude ist die alte Schloss¬mühle (Ersterwähnung 1477). Der langgestreckte 2-geschossige Backsteinbau über dem Rotbach besteht im Kern aus 2 annähernd symmetrischen Häusern des 18. Jahrhunderts, nämlich
• einer Öl- und einer Getreidemühle
mit jeweils eigenem Wasserrad, die später zusammengeschlossen wurden.
Die Mühle ist samt Mahlwerk funktionsfähig und wird gelegentlich betrieben.

Einzelne Bauphasen
Der rheinische Adelssitz ist an den Ort seiner Gründung gebunden. Vom politischen und sozialen Status der Bauherren hingen Form und Größe einer Burg ab. Ob der nahegelegene Burghügel, bestehend aus ehemaligen wasserumgebenden Inseln für Haupt- und Vorburg, ein Vorläufer von Haus Wohnung war und für den Neubau von Wohnung Ende des 13./ Anfang des 14. Jahrhunderts aufgegeben wurde, oder ob beide Burganlagen zeitweise nebeneinander bestanden, ist kaum zu klären.

Die Turmburg
Schon vor der ersten Erwähnung eines Adeligen des Namens „von der Wonyngen“ im Jahre 1327, muss eine burgartige Anlage bestanden haben. Es wird angenommen, dass ein erster Bau schon im 13. Jahrhundert existierte. Etwa 17 m hoch war der klassische Wohnturm mit ca. 1 Meter starken Mauern.
In allen Geschossen gab es Holzdecken. Der einschließlich Keller 4-geschossige Bau dürfte pro Geschoss einen großen Raum enthalten haben, war karg eingerichtet und entsprach nur den ritterlichen Grundforderungen an Komfort (mit offenem Kamin und Abort).

Die gotische Burg
Für die in klevischen Diensten stehenden und zur klevischen Ritterschaft zählenden Herren von der Kapellen war der einfache Wohnturm nicht mehr standesgemäß. Der Überlieferung nach wird 1443 von Haus und Hof (also zweiteilig) gesprochen, 1477 von einer recht aufwendigen Ausstattung und einer Kapelle, was logischerweise nicht unter dem Dach eines Wohnturms Platz gehabt hätte.
So ist das Herrenhaus in der bis 1695 bestehenden Form als beträchtliche Westerweiterung vorzustellen. Aufgrund der Art des Mauerwerkverbands (gotischer oder Kreuzverband) konnten derartige Zuordnungen getätigt werden.

Übergang in die Neuzeit
Im 16. und frühen 17. Jahrhundert haben ohne Zweifel Baumaßnahmen stattgefunden.
Es wird von einer Plünderung 1593 berichtet, als benachbarte Rittersitze gründlich zerstört wurden, wobei Haus Wohnung wohl glimpflich davonkam.

Das barocke Schloss
Eine umfangreiche und kostspielige Umgestaltung zum schlossartig offenen Herrenhaus wird Johann Carselis von Ulft gen. Doornick ab 1695 zugeschrieben. Er soll damals auf „ein sehr altes, baufälliges Haus“ getroffen sein und gab dem mittelalterlichen und düsteren Bau ein neuartiges Gepräge (mit Ecktürmen, Ziergarten etc.).
Während im inneren Bereich zahlreiche bauliche Veränderungen vorgenommen wurden, ist die äußere Erscheinung des barocken Hauses bis zur Kriegszerstörung der Westhälfte 1945 kaum verändert worden; lediglich die Fenster wurden im 18. Jahrhundert vergrößert.
Die Holzstockrahmungen der Fenster im 2. OG stammen noch aus dieser Bauphase. Solche Fenster waren am Niederrhein, beeinflusst von Holland und England, ge¬bräuchlich und eine zeitgenössische Besonderheit der Region.

Haus Wohnung vom 18. – 21. Jahrhundert
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde eine steinerne Brücke anstelle der hölzernen errichtet.
Im Inneren wurden viele Räume durch Einzug von Zwischendecken und –wänden den bescheidenen Wohnvorstellungen der Rentmeister angepasst; die barocke Großzügigkeit war nicht mehr gefragt und wurde aufgegeben.
1945 ist der Westteil durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt worden und 1957 einschl. Südturm und Westvorbau abgebrochen. 1970 mussten Dachstuhl und Obergeschossdecke saniert werden; außerdem fanden Umbauten im Inneren statt.
1988 fand eine Grundsanierung statt, nachdem sich die STEAG entschlossen hatte, von einer Büronutzung abzusehen und die Herstellung zugunsten der Historie den Vorzug zu geben.
Haus Wohnung wurde gesellschaftliches und kulturelles Zentrum des Konzerns.
2 Toilettenräume, ein klimatisierter Weinkeller wurden eingerichtet und die Westwand erhielt neue Fenster; die Stuckdecke wurde repariert, der Plattenfußboden rekonstruiert, Doppelflügeltüren zum Saal und Treppenraum erstellt und spätbarocke Möbel geben der Halle Wohnlichkeit. Der Saal wurde von Unterdecke und Zwischenwänden befreit und die stark beschädigte Stuckdecke aus der Zeit der Régence wieder hergestellt.

Als besonderes Ausstellungsstück wurde ein Gemälde in den Saal zurückgebracht, das schon zur Zeit seiner Entstehung hier gehangen hatte. Es handelt sich um die Kopie eines Ölgemäldes, das der Maler K. Golt 1706 für Johann Carselis, Freiherr von Ulft gen. Doornick geschafften hatte und dessen Familie vor der Südseite des Hauses Wohnung portraitiert, wie sie sich beim Golfspiel vergnügt.
Der „Große Rheinbogen von Götterswickerhamm mit Haus Wohnung“ zeigt das schlossartige Gebäude im fertigen Zustand mit seinen Gartenanlagen, wie es sich zwei Jahrhunderte lang dargeboten hatte.
Das Bild war in Wohnung geblieben bis zum Umzug der freiherrlichen Familie nach Haus Vornholz in Westfalen; von dort wurde es 1998 ausgeliehen und durch die Malerin Thea Gvetadze kopiert.

Salon und Turmzimmer wurden anspruchsvoll wieder hergestellt; lediglich eine kleine Küche neben dem Turmzimmer ist heutigen Bedürfnissen (2010) geschuldet. Der elektrische Speiseaufzug zur Küche i. Souterrain ist nicht ganz unpassend, da es bereits im

  1. Jahrhundert mechanische Aufzüge für diesen Zweck gab und seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehörten sie zum Standard eines adeligen Hauses.
    Der vordere „Gewölbekeller“ unter der Halle und der „Birnenkeller“ im Nordostanbau wurden für gesellschaftliche Zwecke eingerichtet und erhalten eine innerhäusliche Verbindung durch Zugang in den Keller.
    Seit 1988 sind alle Ebenen erstmals über ein einziges Treppenhaus erreichbar, nachdem auch die große Podesttreppe des ehemaligen Wohnturms erneuert wurde.
    1998 wurde das 1. OG zur Akademie mit Konferenzraum über dem Saal, Sitzungszimmer, Büro und Empfangsraum modern ausgebaut.
    Die Heizungsanlage sowie alle Sanitär- und Elektroleitungen hat man erneuert.
    Die Scheune des 19. Jahrhunderts bot sich zu diesem Zeitpunkt als großer Versammlungsraum an, der so ausgebaut wurde, dass die bauliche Substanz gewahrt und das Gesamtbild erhalten blieb.

Anders als andere Mühlen von Wasserburgen, hat die Wohnungsmühle keinen separaten Mühlengraben, sondern wird vom Rotbach direkt angetrieben. Dieser verläuft unter der Mitte des Gebäudes und treibt die Turbine an. Der Kanal wurde technisch saniert.

2005 ergab sich weiterer Reparaturbedarf, jetzt betraf es das Mauerwerk der Fassaden des Herrenhauses, die Steinbrücke und die Gartenmauer.
Mit Reparaturarbeiten nur kleinerer Ausbrüche nach Entfernung des Efeus wurden fast alle Fenstergewände und Sohlbänke mit Ruhrsandstein nach Vorgabe des historischen Bauens ausgetauscht.
Erheblichen Aufwand verlangte die Erneuerung der Dachhaut der Turmhaube und der südlichen Dachfläche des Herrenhauses; hier wurde als einzig angemessene Lösung die altdeutsche Schieferdeckung mit echtem blauen Moselschiefer angesehen; Dachrinnen, Fallrohre und Leitbleche wurden in Kupfer ausgeführt.

2006 ergab sich die Notwendigkeit, den einzig verbliebenen historischen Vorburgflügel zu sanieren. Für Veranstaltungen, Konferenzen und Seminaren ist hier ein tragfähiges Konzept erarbeitet worden, welches auch an dieser Stelle dem Denkmalschutzstatus gerecht wird mit der Aufarbeitung, bzw. Erneuerung von Mauerwerk, Fußböden, Toröffnungen, Lehmputz und Dacheindeckung.
Eine Küche, Toiletten, Lager- und Heizungsräume ermöglichen einen unabhängigen Betrieb des Seminargebäudes.
Die sog. Akademie im OG des Herrenhauses erhielt im Jahre 2009 eine Klimatisierung als vorerst letzte bautechnische Maßnahme.

Abschließend ist zu bemerken, dass durch die vorgenannten Sanierungsarbeiten nicht nur der Nutzwert für den Eigentümer gestiegen ist, sondern auch der 700-jährigen wechselvollen Geschichte des historischen Rittersitzes ein ihr gebührendes positives „Denkmal“ im Sinne des Erinnerns und Bewahrens sowie als kulturelles Zeichen für die Zukunft gesetzt ist.

Text: Ingrid Hassmann 2019
unter Verwendung der Quelle:
Harald Herzog: „Haus Wohnung“ – ein barocker Adelssitz am Niederrhein,
Hg.: Evonik Steag GmbH., 2. erw. Auflage 2010
Satz und Druck: RHIEM Druck GmbH., Voerde