Unter französischer Besatzung erhielt der Bürgermeister de Brauin den Befehl, am Sonntag, dem 9. Juli 1811, eine besondere Feier zu veranstalten. An diesem Tag nämlich sollte der Sohn Napoleons, der bei seiner Geburt den Titel „Der König von Rom“ erhielt, getauft werden, schrieb Walter Neuse in seiner Siedlungsgeschichte von Möllen. Also musste ein Festgottesdienst her, das war so üblich. Und während de Brauin noch das große Fest plante, erfuhr er von Pastor Meier aus Götterswickerhamm, dass just zu jenem Tag der Sohn des Tagelöhners Dietrich Josten aus Löhnen getauft werden sollte.

Nun war es so, dass Dietrich Josten und seine Familie wohnungslos waren. Ihnen hatte man ihre Pacht, die Josten Kate, gekündigt, und eine neue Unterkunft war kaum zu finden. Da kam dem rührigen Bürgermeister de Brauin die zündende Idee: Warum nicht beide Taufen miteinander verbinden und aus Anlass des hohen Festtages und in Erinnerung daran, dem Sohn Dietrich Jostens, ein Patengeschenk der Gemeinde zu machen. Und er wusste auch schon was – 600 Ruten unkultivierten Allmendelandes, auf dem die Eltern des Täuflings Haus, Hof und Garten anlegen konnten.

Am Tag der Taufe war es so weit – neben den Paten stand auch der Bürgermeister am Taufbecken und nach dem Pastor Meier den Taufsegen gesprochen hatte, verkündete de Brauin dem frisch Getauften das Patengeschenk. Ein paar Tage später konnte Dietrich Josten das Geschenk seines Sohnes in Augenschein nehmen. Ein langes Seil wurde an einem Pfahl befestigt, das andere Ende, so schrieb Neuse in seiner Chronik, hielt Josten in der Hand und umrundete mit dem gespannten Seil den Pfahl. Alles was innerhalb dieses Kreises lag, gehörte fortan seinem Sohn Hermann.

Mit dem Rest des Grundstückes, das viel größer war, hatte de Brauin weitere Pläne. Dort sollte ein ewiges Denkmal errichtet werden, das die „tiefe Anhänglichkeit der Bewohner an das Regentenhaus von Frankreich“ bezeugte. Dazu sollte es jedoch nicht mehr kommen, im November 1813 war die französische Herrschaft zu Ende. Und so erhielt Hermann Josten schließlich nicht nur die ihm zugedachten 600, sondern die ganzen 1300 Ruten Land.

Der König von Rom, so heißt das Flurstück bis heute, befindet sich immer noch im Besitz der Familie Josten. Auf einem Teil der Fläche wurde das Gasthaus Möllen erbaut.